Schmetterling des Jahres 2012: Kleines Nachtpfauenauge

Das Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia) wurde von der BUND NRW Naturschutzstiftung und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. zum Schmetterling des Jahres 2012 gekürt. Mit dieser Wahl macht die Jury auf einen der größten und farbenprächtigsten Nachtfalter hierzulande aufmerksam. Von den rund 3.700 heimischen Schmetterlingsarten zählen nur etwa 190 Arten zu den Tagfaltern, der überwiegende Teil sind Nachtfalter.

Die Flügel der Männchen sind kontrastreich orange, weiß, schwarz und meist auch rosa gefärbt. Die Weibchen sind unauffälliger, aber mit einer Spannweite von über acht Zentimetern deutlich größer als die Männchen. Seinen Namen verdankt der Falter ausgeprägten augenähnlichen Flecken auf den Flügeln. Sie dienen zur Abschreckung von Feinden. Die hellen halbmondförmigen Zeichnungen am oberen Rand der Augenflecke (Glanzlichter) lassen die Augenflecken besonders realistisch erscheinen.

Die Schmetterlinge fliegen in Deutschland von Anfang April bis Mai. Sie haben weder Mundwerkzeuge noch Verdauungstrakt und nehmen keine Nahrung auf. Sie zehren allein von den Reserven, die sie sich als Raupen angefressen haben. Daher leben die Falter nach ihrem Schlüpfen nur wenige Tage.

Männchen vom Kleinen Nachtpfauenauge (Foto: Rotholl.at/Rotheneder)
Männchen vom Kleinen Nachtpfauenauge (Foto: Rotholl.at/Rotheneder)
Weibchen vom Kleinen Nachtpfauenauge (Foto: M. Katholnig)
Weibchen vom Kleinen Nachtpfauenauge (Foto: M. Katholnig)
Weibchen vom Kleinen Nachpfauenauge bei der Eiablage (Foto: T. Laussmann)
Weibchen bei der Eiablage (Foto: T. Laussmann)

Die Weibchen des Kleinen Nachtpfauenauges halten sich tagsüber versteckt und geben besonders nachmittags über eine Drüse am Hinterleib einen Sexuallockstoff (Pheromon) ab, um Männchen anzulocken. Die Männchen nehmen diesen Duft kilometerweit mit ihren großen fächerförmigen Fühlern wahr und finden so zu den Weibchen. Dabei fliegen sie schnell und flach über die Vegetation hinweg.

Nach der Paarung legt das Weibchen in der Nacht seine Eier ab. Die 1-1,5 mm großen ovalen Eier sind cremeweiß bis braun marmoriert und werden in Gruppen um dünne Äste der Futterpflanzen der Raupen abgelegt. Man findet Eier an Rosengewächsen wie Schlehe, Rose, Erdbeere, Himbeere oder Brombeere aber auch an anderen Pflanzen wie Heidekraut, Heidelbeere, Wiesen-Salbei oder Salweide.

Raupen vom Kleinen Nachtpfauenauge im zweiten Larvenstadium (Foto: W. Schön)
Raupen im zweiten Larvenstadium (Foto: W. Schön)
Raupe vom Kleinen Nachtpfauenauge im vierten Larvenstadium (Foto: T. Laussmann)
Raupe im vierten Larvenstadium (Foto: T. Laussmann)

Die Raupen schlüpfen etwa 2 Wochen nach der Eiablage und durchlaufen 5 Stadien. In den ersten drei Stadien sind die Raupen überwiegend schwarz gefärbt, später mehr oder weniger grün. Sie tragen auf jedem Segment sechs dicht schwarz behaarte Warzen, aus denen sie bei Störungen ein klebriges stark riechendes Wehrsekret ausscheiden. Erwachsene Raupen erreichen eine Länge von 6 bis 7 cm. Im Spätsommer spinnen sich die Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges zwischen Ästen und Stängeln in einen festen Kokon ein.

Raupe vom Kleinen Nachtpfauenauge im fünften Larvenstadium (Foto: T. Laussmann)
Raupe im fünften Larvenstadium (Foto: T. Laussmann)
Kokon mit Puppe vom Kleinen Nachtpfauenauge (Foto: I. Altmann)
Kokon mit Puppe vom Kleinen Nachtpfauenauge (Foto: I. Altmann)
Typischer Lebensraum des Kleinen Nachtpfauenauges (Foto: H.-P. Deuring)
Typischer Lebensraum des Kleinen Nachtpfauenauges (Foto: H.-P. Deuring)

Die Schmetterlinge schlüpfen im Frühjahr des nächsten Jahres, teilweise aber auch erst im übernächsten Jahr. Letztere werden „überliegenden“ Puppen genannt und sichern den Fortbestand der Art, falls einmal die gesamte Jahres-Population bei klimatisch sehr ungünstigen Bedingungen oder durch Krankheiten sterben sollte.

Das Kleine Nachtpfauenauge ist in Mittel- und Nordeuropa weit verbreitet. Sein Lebensraum sind naturnahe offene Landschaften, Heiden und teilweise auch verwilderte Gärten. In Städten, größeren geschlossenen Waldgebieten und ausgeräumten Agrarlandschaften fehlt der Schmetterling.

Als Folge des fortschreitenden Landschaftsverbrauchs und der Industrialisierung der Landwirtschaft ist der Bestand des Kleinen Nachtpfauenauges in einigen Regionen Deutschlands stark zurückgegangen. Dort steht es auf der Vorwarnliste gefährdeter Tiere.

Es gibt neben dem Kleinen auch das Große (oder Wiener) Nachtpfauenauge, den größten mitteleuropäischen Schmetterling, das aber in Deutschland praktisch nicht vorkommt. Unter den tropischen Verwandten der Nachtpfauenaugen finden sich die größten Schmetterlinge weltweit.

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Weiterführenden Informationen zu Schmetterlingen allgemein und der Bestimmung von Schmetterlingen und Raupen:

www.schmetterling-raupe.de

www.lepiforum.de