Greifvögel im Siebengebirge

Diese drei Vogelgruppen können zwar allesamt als Beutegreifer bezeichnet werden, bilden aber jeweils eigenständige Ordnungen, die nicht (unmittelbar) miteinander verwandt sind. Bei den Eulen handelt es sich um überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Jäger mit nach vorne gerichteten, parallel zu einander stehenden Augen, die von einem Federschleier umgeben sind, der als Schallreflektor dient und die Hörfähigkeit erhöht. Als Greifvögel bezeichnet man die überwiegend tagaktiven Beutegreifer mit einem kräftigen Hakenschnabel, der stark nach unten gebogen und mit einer Reißhakenspitze versehen ist. Durch einen über der Augenhöhle liegenden Knochenschild, der vor Verletzungen schützt, wirkt ihr Kopf kantig. Falken sind ebenfalls meist tagaktive Beutegreifer, aber mit einigen Besonderheiten gegenüber den Greifvögeln: Sie haben einen runden Kopf und einen kurzen Schnabel, der im Oberschnabel eine Ausbuchtung besitzt, den so „Falkenzahn2. Im Gegensatz zu den Greifvögeln, die ihre Beute zumeist mit den Krallen erdolchen, töten Falken ihre Beute nach dem Ergreifen durch Bisse.

Uhu

Der Uhu ist mit einer Körpergröße von bis zu 75 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 188 cm die größte Eule der Welt. Als dämmerungs- und nachtaktiver Jäger kann er seine Beute allein mit dem Gehör wahrnehmen und genau orten. Sein Jagdrevier erstreckt sich auf bis zu 40 km2 ­– also fast das gesamte Siebengebirge – und besteht aus einer offenen, abwechslungsreichen Kulturlandschaft mit kleinen Agrarflächen, Heckenlandschaften, Streuobstwiesen und Gewässern. Der standorttreue Vogel bewohnt als typischer Felsbrüter Felswände und stillgelegte, nicht verfüllte Steinbrüche, die gerade im Siebengebirge zahlreich vorhanden sind. Nachdem in den 1950er Jahren in Deutschland nur noch etwa 50 Uhu-Brutpaare lebten und er damit massiv vom Aussterben bedroht war, hatte sich der Bestand Anfang des 21. Jahrhunderts durch intensiven und nachhaltigen Artenschutz auf ca. 850 Brutpaare erhöht. Entscheidend war dabei die Ausweisung von Schutzgebieten für die gegenüber Störungen sehr empfindlichen Tiere. Da der Bestand in Teilen Deutschlands aber wieder abnimmt, kommt gerade den Mittelgebirgen und damit auch dem Siebengebirge als bevorzugter Lebensraum eine besondere Rolle für den Schutz des Uhus zu. Insbesondere der Schutz vor intensiver Freizeitnutzung, wie etwa dem Klettern in der Nähe der Brutplätze, sowie eine extensive Landwirtschaft und der damit einhergehenden Erhöhung des Nahrungsangebotes in Form von Kleinsäugern und Vögeln sind unabdingbar!

Waldkautz

Nahezu Jedem dürfte vom Waldkauz zumindest der Revierruf bekannt sein, der in zahlreichen Spielfilmen zur Untermalung einer mysteriösen Atmosphäre eingespielt wird. Auch in den Wäldern des Siebengebirges ist sein Ruf vielerorts zu hören, da er Wälder mit alten Laubbäumen mit großen Höhlen zum Brüten bewohnt. Deshalb ist es unumgänglich, derartige Lebensräume mit Altholzbeständen zu schützen.

Bei einer Körpergröße von etwa 40 cm ist der Waldkauz etwa halb so groß wie der Uhu. Er ernährt sich recht vielseitig, vor allem von Mäusen, Ratten, Kröten, Fröschen und Kleinvögeln. Letztere erbeutet er bei seinen nächtlichen Jagdflügen im Flug, indem er sie zuvor durch lautes Flügelklatschen aufgeschreckt hat. Tagsüber ist der Waldkauz nur selten zu sehen, da er gut getarnt in einer Baumhöhle oder dicht an einem Baumstamm sitzt und man seine Anwesenheit erst durch die Alarmrufe anderer Vögel bemerkt, die dem Waldkauz lieber nicht begegnen wollen.

Wanderfalke

Bekannt ist der Wanderfalke vor allem für seinen extrem schnellen Sturzflug, bei dem er mit angewinkelten Flügeln Geschwindigkeiten von über 320 km / Stunde erreichen kann! Er schlägt seine Beute ausschließlich in der Luft, indem er sich von einer hohen Ansitzwarte oder kreisend aus großer Höhe im Steilstoß auf seine erspähte Beute stürzt. Durch den damit verbundenen Aufprall erleiden seine Opfer meist einen tödlichen Genickbruch. Allerdings sind lediglich etwa 15% seiner Angriffe erfolgreich, da sich viele Vögel in letzter Sekunde durch einen Richtungswechsel retten können. Verpaarte Wanderfalken jagen oftmals gemeinsam und stoßen abwechselnd auf ein Beutetier herunter, wodurch sich die Erfolgsquote entsprechend erhöht. Auf seinem Speiseplan stehen verschiedene Kleinvögel bis zu einer Größe von Haustauben. Der Wanderfalke bewohnt und brütet hauptsächlich in steilen Felswänden, alternativ an hohen Gebäuden oder Türmen, sofern ihm dort künstliche Nistplätze geboten werden. Diese Greifvogelart hatte in Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Bestandseinbruch von bis zu 90% und stand kurz vor dem Aussterben. In Deutschland konnte die Population mit wenigen Tieren aufrechterhalten und durch gezielte Schutzmaßnahmen, wie die Unterschutzstellung und permanente Bewachung der Brutplätze, gerettet werden. Mittlerweile hat sich der Bestand etwas erholt und ist unter Beibehaltung intensiver Schutzmaßnahmen auf etwa 1.000 Brutpaare angewachsen.

Rotmilan

Mit einer Körpergröße von bis zu 73 cm und einer Flügelspannweite bis zu 170 cm zählt der Rotmilan zu den größeren einheimischen Greifvögeln und wird wegen seines tief gegabelten Schwanzes auch Gabelweihe genannt. Durch dieses auffällige Merkmal ist er bei seinen ausgedehnten Gleit- und Segelflügen auf der Suche nach Beute an seiner Silhouette gut zu erkennen. Erspäht er ein Beutetier, ergreift er sich dieses zumeist im Gleitflug ohne auf dem Boden zu landen. Zu seinem Nahrungsspektrum zählen hauptsächlich Mäuse, Hamster, Maulwürfe und Junghasen, aber auch sonstige tot herumliegende Tiere. Oftmals bedrängt der Rotmilan andere Greifvögel in der Luft, die gerade ihre Beute davontragen und diese dann fallen lassen, so dass der Rotmilan sich der Beute bemächtigen kann. Von den weltweit etwa 22.000 Brutpaaren kommen allein in Deutschland fast 60% dieser Greifvogelart vor, wobei ein Schwerpunkt die Mittelgebirgsregion bildet. Dementsprechend kommt auch dem Siebengebirge eine herausragende Verantwortung für den Erhalt dieser Art zu, zumal der Bestand insgesamt rückläufig ist.



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