Pflanzenwelt Siebengebirge

Unterschiedlichste Klimate auf kleinstem Raum und eine Vielzahl verschiedener Böden sorgen im Siebengebirge für eine außergewöhnlich reiche Pflanzenwelt: Auf nur 0,013 % der Fläche Deutschlands wachsen 22 % aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen! Neben weit verbreiteten Waldarten wie diversen Gehölzen und Frühjahrsblühern sind dies seltene Wildobstarten wie Speierling und Felsenkirsche, aber auch Schachtelhalme, Milzkraut und Fieberklee an Quellen, Glockenheide und Torfmoose in Mooren sowie Nelken und Wildlaucharten in den Felsen. Diese Pflanzen haben im Siebengebirge ihren – manchmal letzten – Rückzugsraum in der Region. Einige sind nur noch als wenige Einzelpflanzen vorhanden und brauchen daher dringend unseren Schutz!

Der Nationalpark böte Platz für alle: In den Pflegezonen lassen sich die selten gewordenen Pflanzen der Felsen, Feucht- und Streuobstwiesen erhalten, in den Prozessschutzzonen können Waldorchideen und die bunten Frühjahrsblüher gedeihen.

Rot-Buche (Fagus sylvatica)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Rot-Buche ist Mitteleuropa. Insbesondere Deutschland, Frankreich, Polen und die Benelux- Staaten bilden ihr Hauptareal. Auch im Siebengebirge ist sie natürlich vertreten und würde ohne Zutun des Menschen einen Großteil der Waldfläche bedecken. Hier auf nährstoffreichen Löss- und Verwitterungsböden findet sie ideale Bedingungen, um eine stattliche Höhe von bis zu 30, selten auch 40 m zu erreichen. Unter natürlichen Verhältnissen wächst sie überwiegend im Reinbestand als Buchenwald und mischt sich nur in Übergangszonen mit anderen Baumarten. Buchen ertragen sehr viel Schatten und sind in der Lage, auch unter anderen Bäumen zu keimen und zu wachsen. Sie vertragen aber nicht nur Schatten, sondern erzeugen unter ihrem dichten Kronendach auch sehr viel davon, so dass es unter ihnen selbst in warmen und trockenen Sommern lange kühl und feucht bleibt. Durch die geringe Lichtintensität können sich kaum andere Pflanzen entwickeln, so dass ein älterer Buchenwald im Sommer recht leergefegt erscheint. Die eher artenarme Ausstattung der Bodenschicht gleicht die Buche durch eine hohe Artenvielfalt im Kronenbereich aber wieder aus. Die Samen der Buche kennt man unter dem Namen „Buchecker“. Diese dreikantigen Samen dienen vielen wilden Tierarten als nährstoffreiches Winterfutter, ohne das sie diesen nur schwer überstehen könnten. Der Beobachter erkennt die Rot-Buche leicht an Ihrer in jedem Alter sehr glatten Rinde und den dunkelgrün glänzenden, ovalen Blättern.

Gewöhnliche Felesenbirne (Amelanchier ovalis)

Die Gewöhnliche Felsenbirne ist ein bis zu 4m hoch werdender Strauch und stammt aus der Familie der Rosengewächse. Sie wächst gerne auf hellen, felsigen und trockenen Untergründen und bewohnt mitunter sehr extreme Standorte, wie beispielsweise die Hänge von Steinbrüchen, Rohböden und Felsspalten. Die Blüten der Felsenbirne sind für viele seltene Schmetterlingsarten ein wichtiger Nektarspender, und auch die Blätter dienen mancher seltenen Schmetterlingsraupe als Futtergrundlage. Die Beeren der Felsenbirne sind entgegen aller Erwartungen nicht birnenförmig ausgebildet, sondern erinnern in Ihrer Form eher an einen Apfel oder eine runde Hagebutte. Die dunkelrotblauen Früchte sind nur schwach giftig und können bei Verzehr leichte Magen-Darm-Probleme verursachen. Im gekochten Zustand ist die Frucht genießbar. In ihrem Inneren liegen die glänzenden, sichelförmigen Samen.

Speierling (Sorbus domestica)

Der Speierling stammt wie die Gemeine Felsenbirne aus der Familie der Rosengewächse und wird ebenso wie diese auch zu den Wildobstsorten gezählt. Der Speierling ist eine sehr seltene Art und kommt auch im Siebengebirge nur an wenigen Stellen vor. In seiner Erscheinung kann er schnell mit der Vogelbeere (Sorbus aucuparia) verwechselt werden, mit der er nah verwandt ist. Die Früchte des Speierlings erinnern in ihrer Form an Birnen oder Äpfel und besitzen eine grün-rote Färbung. Wie die Früchte der Schlehe (Prunus spinosa) sind sie aber erst im überreifen Zustand genießbar. Der Rückgang dieses recht klein bleibenden Gehölzes wird allgemein dem Verschwinden der sog. Mittelwälder zugeschrieben, welche nutzungsbedingt zugunsten der Hochwälder umgewandelt wurde. Gleichzeitig wird der Speierling von verschiedenen Obstbaumschädlingen befallen, derer er sich nur schwer erwehren kann.

Echte Seidelbast (Daphne mezereum)

Der Seidelbast ist ein kleiner Strauch, selten größer als 1,50 m. Im März, noch vor dem Austreiben der Blätter, bilden sich die sehr stark, aber angenehm duftenden, rosa bis violetten Blüten. Zusammen mit den Weiden bildet der Seidelbast die erste Nahrung für die nach der Winterruhe erwachenden nektarzehrenden Insekten, wie Hummeln, Bienen und Falter. Trotz seiner Schönheit und dem berauschenden Duft der Blüten ist der Seidelbast und ganz besonders seine roten Beeren sehr giftig. Er bewohnt im Siebengebirge Laub- und Mischwälder, bevorzugt aber Buchenwälder auf basischen Standorten.

Wildbirne (Pyrus pyraster)

Die Wildbirne, auch Holz-Birne genannt, erreicht eine Höhe von bis zu 20 m, kommt aber auch als Strauchform mit lediglich 4 m Höhe vor. Sie ist die Großmutter aller heute existierenden Tafel-Birnen. Im Siebengebirge ist sie nicht sehr häufig und könnte von einem zukünftigen Nationalpark profitieren. In der Jugend und als Strauchform ist die Wildbirne bedornt und sehr wehrhaft, was sie vor zu starken Verbiss schützt. Ihre Früchte sind nur etwa 3 cm groß und erinnern eher an ein Ei oder einen kleinen Apfel als an eine Birne. Durch die immense Zahl an Blüten ist sie ein wertvoller Nahrungsbaum für viele nektarzehrende Insekten. Ihre Früchte werden von vielen Tieren, wie beispielsweise Siebenschläfer, Igel und Dachs gefressen und helfen diesen so, den Winter gut genährt zu überstehen.

Weiße Fetthenne (Sedum album)

Die Weiße Fetthenne, auch Weißer Mauerpfeffer genannt, wächst auf Felsen, Blockschutthalden und Magerrasen. Im Siebengebirge findet man sie auf kalkhaltigem, trockenem und gut besonntem Untergrund. Dies sind überwiegend die durch Tagebau entstandenen Steinbrüche, in denen Basalt gewonnen wurde. Die Fetthenne ist eine trockenheitsverträgliche Pflanze und daher in der Lage, Lebensräume zu besiedeln, an denen nur wenige Pflanzen überleben können. Da sie mit 5-20 cm ziemlich klein bleibt, benötigt sie offene Stellen, um genügend Sonnenlicht zu erhalten. Die Blätter des Mauerpfeffers sehen aus wie große grüne Reiskörner. In ihnen kann die Pflanze Wasser speichern und so Trockenheit lange überdauern. Mittels Ausläufern kann sie sich ausbreiten und schnell benachbarte Fläche zu besiedeln. Ihre Blütenblätter sind weiß, die Fruchtblätter rosa und die Staubblätter dunkelrot gefärbt, was die Blüte bei genauem Hinsehen sehr attraktiv erscheinen lässt.

Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium L.)

Um gut gedeihen und sich reproduzieren zu können, benötigt der Hirschzungenfarn basen- und kalkreiche Böden, aber auch eine gewisse Feuchte des Bodens und der Luft. Daher bewohnt er schattige und nach Norden gerichtete Schlucht- und Hangwälder. Im Gegensatz zu den meisten anderen Farnen sind seine Farnwedel bei ganzrandig und nicht mit gefiederten Wedeln versehen. Diese Blattform gab ihm seinen Namen, da seine Umrisse an eine Hirschzunge erinnern. Er wurzelt gerne in Spalten und Fugen und ist so auch an Mauern und Wänden zu finden, wenn diese nicht ganz austrocknen. Wegen seiner antiseptischen Eigenschaften wurde der Hirschzungenfarn in früheren Zeiten gerne als Wundheilmittel genutzt. Heute wird er gerne als Zierpflanze für schattige Gärten gehandelt.

Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia)

Der Zweiblättrige Blaustern ist eine ganz besondere Pflanze, welche im Siebengebirge an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stößt. Sie blüht im zeitigen Frühjahr zwischen März und April und besitzt – wie der Name schon sagt – nur zwei Blätter. Ihre mit sechs Blütenblättern versehene Blüte leuchtet in einem hellen Blau.

Im Siebengebirge findet man den Blaustern im lichten, aber feuchten Laubwald inmitten anderer Frühjahrsblüher. Er besitzt eine Zwiebel, in der er seine Energie speichert. Im Frühsommer, wenn sich das Blätterdach der Bäume schließt, welken seine Blätter, und die Pflanze schlummert den Sommer über in ihrer Zwiebel, um im nächsten Frühjahr wieder zu erblühen. Wie die meisten Zwiebelgewächse ist der Blaustern in der Lage, sich durch Teilung seiner Zwiebel vegetativ zu vermehren, so dass man auch auf Horste dieser Pflanze treffen kann.

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Die Bienenragwurz soll an dieser Stelle für die Familie der Orchideen genannt werden. Sie trägt ihren Namen nicht zu unrecht, da die Form und Farbe der Blüte auf den ersten Blick an eine Biene erinnert, welche dabei ist, aus einer Blüte Nektar zu saugen. Trotz Ihres Namens und Aussehens wird diese Pflanze aber nur selten von Insekten angeflogen oder gar bestäubt. Im Fall der Bienenragwurz ist meistens der Wind für die Verteilung der Pollen zuständig, oder es kommt zu einer Selbstbestäubung. Die Bienenragwurz bevorzugt Magerrasen, welche nicht zu stark austrocknen. Diese Orchideen besitzen eine Wurzelknolle, die ihnen hilft, ungünstige Jahreszeiten unter der Erdoberfläche zu überdauern.

Hänge-Segge (Carex pendula)

Stellvertretend für die Gräser im Siebengebirge sei hier die imposante Hänge-Segge oder auch als „Große Segge“ bekannte Art genannt. Ihre langen Blätter werden nur durch die noch längeren Halme der Blüten überragt, welche bis zu 1,50 m Länge erreichen können.

Sie bewohnt im Siebengebirge gerne die feuchten und halbschattigen Niederungen der Bachauen. Hier wächst die Segge unmittelbar am Bachufer, begnügt sich aber auch mit anderen feuchten Stellen wie Gräben oder Mauerspalten. Auch außerhalb der Niederungen kommt sie vor und zwar dort, wo das Grundwasser sehr nahe an die Wurzel heran reicht und es nicht zu schattig ist. Die Hänge-Segge bevorzugt kalkfreie, tiefgründige Böden und sommermildes Klima.



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